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Kunden gewinnen

Als Freelancer erste Kunden gewinnen: ein realistischer Weg zum ersten Auftrag.

Als neuer Freelancer gewinnst du erste Kunden am ehesten mit einem verständlichen kleinen Angebot, einem passenden Arbeitsbeleg und einem Akquiseweg, den du mehrere Wochen verlässlich nutzt. Beginne bei Menschen, die dich bereits kennen, und bei Projektgesuchen mit erkennbarem Bedarf. Schreibe wenige passende Anfragen, fasse einmal nach und halte jede Reaktion fest. Große Reichweite brauchst du dafür noch nicht.

Vom Profil zum Gespräch

Ein gutes Angebot lässt sich weitererzählen.

Wenn jemand nach einem Gespräch in einem Satz erklären kann, wem du wobei hilfst, kann er dich gezielt anfragen oder empfehlen.

Ruhiges Kundengespräch an einem hellen Arbeitstisch mit Laptop und Notizen
Abschnitte auf dieser Seite

Grundsätze

Diese vier Grundsätze helfen dir, aus allgemeiner Sichtbarkeit echte Gespräche über einen Auftrag zu machen.

Beginne mit einem Ergebnis

Sage, was nach deiner Arbeit vorliegt: etwa ein überarbeitetes Pitch-Deck, vier Newsletter oder ein eingerichteter Rechercheprozess.

Zeige eine Probe

Ein Beispielprojekt, ein kurzer Audit oder eine Prozessskizze gibt einem Auftraggeber mehr Orientierung als eine Liste allgemeiner Fähigkeiten.

Wähle einen Startkanal

Nutze für vier Wochen vor allem einen Weg: dein bestehendes Netzwerk, passende Ausschreibungen oder gezielte Direktkontakte.

Zähle Antworten und Gespräche

Notiere Anfragen, Antworten und Gespräche. Diese Zahlen zeigen dir früher als Reichweite, ob Angebot und Ansprache funktionieren.

15-Minuten-Übung

Formuliere ein Angebot, auf das jemand antworten kann.

Nimm eine Leistung, die du in überschaubarem Umfang liefern kannst. Ergänze die drei Satzteile zunächst unperfekt; überarbeiten kannst du später.

  1. Ich unterstütze [welche Art von Kunde] bei [welchem Engpass].
  2. Am Ende erhält der Kunde [sichtbares Ergebnis].
  3. Zum Kennenlernen eignet sich [kleiner, begrenzter Auftrag].

Beispiel: „Ich unterstütze kleine B2B-Agenturen bei liegen gebliebenen Newsletter-Ausgaben. Zum Einstieg erstelle ich aus vorhandenem Material eine versandfertige Ausgabe inklusive Korrekturschleife.“

Startpunkt

Mach zuerst verständlich, was ein Kunde bei dir kaufen kann.

Der beste Akquiseweg hilft wenig, wenn dein Gegenüber dein Angebot erst entschlüsseln muss.

Sätze wie „ich unterstütze Unternehmen digital“ oder „ich helfe bei Content, Social Media und Organisation“ lassen zu viel offen. Ein potenzieller Kunde weiß danach weder, für welche Aufgabe du geeignet bist, noch womit eine Zusammenarbeit beginnen könnte.

Greifbarer wird es mit einer Aufgabe und einem Ergebnis: laufende Website-Inhalte einpflegen, Quellen für einen Fachartikel recherchieren, einen monatlichen Newsletter produzieren oder Postfach und Termine eines kleinen Beratungsteams betreuen. Dann lassen sich Profil, Arbeitsprobe und Ansprache auf denselben Bedarf ausrichten.

Mach den 15-Sekunden-Test: Lies deinen Angebotssatz einer Person vor, die dein Arbeitsfeld kaum kennt. Kann sie anschließend sagen, wem du hilfst, was du übernimmst und was dabei entsteht? Falls sie nachfragen muss, ändere zuerst den Satz – noch nicht den Akquisekanal.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Welche Aufgabe übernimmst du regelmäßig?
  • Für welche Art von Kunde ist diese Aufgabe besonders relevant?
  • Welches Ergebnis kann der Kunde prüfen oder weiterverwenden?

Positionierung

Eine erkennbare Richtung macht dein Profil leichter buchbar.

Viele Einsteiger zählen vorsichtshalber jede Fähigkeit auf. Für Auftraggeber wird die Auswahl dadurch schwieriger.

Wenn Text, Social Media, Recherche, Organisation und Website-Pflege gleichrangig nebeneinanderstehen, fehlt ein Anhaltspunkt: Wofür sollte man dich zuerst anfragen? Du darfst vielseitig arbeiten. Im Profil braucht diese Vielseitigkeit jedoch eine erkennbare Tür, durch die ein Kunde eintreten kann.

Dafür genügt oft eine Entscheidung auf einer Ebene: Zielgruppe, Engpass, Ergebnisformat oder Projekttyp. Aus „ich mache Design“ kann „ich überarbeite Pitch-Decks für kleine B2B-Teams“ werden. Aus „ich unterstütze bei Content“ wird beispielsweise „ich recherchiere und strukturiere Fachartikel für Beratungsunternehmen“.

Betrachte Positionierung als Arbeitshypothese für die kommenden vier bis sechs Wochen. Du zeigst eine Leistung bewusst häufiger, beobachtest die Reaktionen und passt sie an. Damit bleibt dein Profil fokussiert, ohne dass du dich für immer festlegen musst.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Zielgruppe: Bei wem verstehst du Sprache und Arbeitsabläufe?
  • Engpass: Welche liegen gebliebene oder wiederkehrende Aufgabe übernimmst du?
  • Format: Was lieferst du am Ende sichtbar aus?
  • Projekttyp: In welcher Form findet die Zusammenarbeit statt?

Vertrauenssignale

Auch ohne Kundenreferenz kannst du deine Arbeitsweise belegen.

Ein Portfolio darf mit selbst gewählten Beispielprojekten beginnen, solange du sie ehrlich kennzeichnest.

Ein Portfolio kann mehr sein als eine Liste bekannter Kundennamen. Es soll zeigen, wie du eine Aufgabe verstehst, welche Entscheidungen du triffst und in welcher Qualität du ein Ergebnis auslieferst. Zwei erläuterte Proben helfen häufig mehr als zehn Bilder ohne Kontext.

Für textnahe Arbeit eignen sich ein Beispielartikel, ein überarbeiteter Textausschnitt oder eine Gliederung mit Recherchequellen. Bei Assistenz und Recherche funktionieren Prozessskizzen, Checklisten oder ein Beispiel-Dashboard. Designer können die Aufgabe und ihre Gestaltungsentscheidung neben der Arbeit zeigen; bei Webpflege helfen dokumentierte Vorher-Nachher-Änderungen.

Kennzeichne selbst initiierte Arbeiten als „Beispielprojekt“ oder „Testarbeit“. Ergänze vier kurze Angaben: Ausgangslage, dein Auftrag, dein Vorgehen und das fertige Ergebnis. So kann ein Kunde einschätzen, ob deine Arbeitsweise zu seiner Aufgabe passt.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Arbeitsprobe: zeigt die Qualität deiner Ausführung
  • Fallnotiz: erklärt Entscheidungen und Vorgehen
  • Mini-Audit: macht Beobachtung und Priorisierung sichtbar
  • Vorher-Nachher-Beispiel: zeigt eine nachvollziehbare Veränderung

Kanäle

Wähle den Akquiseweg passend zu deinem aktuellen Stand.

Netzwerk, Plattformen, Direktansprache und Content erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Für den Start reicht meist ein Hauptkanal.

Bei einem neuen Angebot sind Plattformen und Jobbörsen nützlich, weil dort echte Aufgaben bereits beschrieben sind. Du erkennst wiederkehrende Begriffe, Budgets und Anforderungen. Wenn du Unternehmen ansprichst und dein Angebot schon erprobt ist, können gezielte E-Mails oder LinkedIn-Kontakte sinnvoller werden.

Prüfe zuerst dein vorhandenes Umfeld: ehemalige Kollegen, frühere Arbeitgeber, Lieferanten, Vereinskontakte oder Menschen aus Weiterbildungen. Eine kurze Nachricht mit deinem aktuellen Angebot ist keine Bitte um einen Gefallen. Sie gibt anderen die Möglichkeit, dich bei einem passenden Bedarf zu nennen.

Eigene Inhalte können später Vertrauen vertiefen. Für den ersten Auftrag ist der Aufwand oft hoch: Themen finden, regelmäßig veröffentlichen und Reichweite aufbauen. Nutze Content zunächst als Beleg, den du in Gesprächen verschicken kannst, statt auf schnelle organische Anfragen zu warten.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Vorhandenes Umfeld: kurze Wege und bereits vorhandenes Vertrauen
  • Plattformen: Marktfeedback anhand veröffentlichter Projekte
  • Jobbörsen: Bewerbung auf einen beschriebenen Bedarf
  • Direktkontakte und LinkedIn: passend für ein erprobtes Angebot an Unternehmen
  • Empfehlungen: wachsen aus guter Arbeit und gepflegten Kontakten

Erste Anfrage

Eine erste Nachricht braucht Bezug, Beitrag und eine einfache Frage.

Dein Gegenüber sollte bereits in den ersten Sätzen erkennen, warum du genau diese Aufgabe ansprichst.

Starte mit dem Anlass: einer Ausschreibung, einer offen erkennbaren Lücke oder einem früheren Gespräch. Beschreibe danach in einem Satz, welchen Teil du übernehmen könntest. Ein passender Beleg oder Link reicht. Zum Schluss stellst du eine Frage, die sich leicht beantworten lässt.

Diese Reihenfolge funktioniert für E-Mail, Direktnachricht und Plattform-Bewerbung: Bezug zum Bedarf, dein möglicher Beitrag, Beleg und Frage. Drei kurze Absätze sind in vielen Fällen genug. Eine ausführliche Vorstellung kannst du nachreichen, sobald Interesse besteht.

Lies die Nachricht vor dem Senden noch einmal aus Sicht des Empfängers. Bezieht sie sich tatsächlich auf seine Situation? Ist die angebotene Leistung erkennbar? Kann er mit einem kurzen Ja, Nein oder Terminvorschlag reagieren? Dann hat die Nachricht ihre Aufgabe erfüllt.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Den Anlass in einem Satz benennen
  • Einen passenden Beitrag anbieten
  • Genau einen Beleg verlinken
  • Mit einer leicht beantwortbaren Frage enden

Erstgespräch

Kläre den Auftrag, bevor du einen Preis und Termin zusagst.

Ein freundliches Erstgespräch ist ein guter Anfang. Für ein belastbares Angebot brauchst du zusätzlich Umfang, Ziel und Zuständigkeiten.

Ermittle, welche Aufgabe gelöst werden soll, was am Ende vorliegen muss und bis wann. Frage nach vorhandenem Material, Ansprechpartnern und Freigaben. So erkennst du, wo deine Arbeit beginnt und welche Zuarbeit du voraussetzen kannst.

Rückfragen schützen beide Seiten. Sie zeigen dem Auftraggeber, dass du Aufwand und Verantwortung ernst nimmst, und bewahren dich vor einem Preis, der auf falschen Annahmen beruht. Fünf vorbereitete Fragen wirken souveräner als ein vorschnelles Angebot.

Bleiben Ziel, Umfang oder Zuständigkeiten auch nach dem Gespräch offen, halte diese Punkte als Annahmen im Angebot fest. Bei grundlegender Unsicherheit ist ein bezahlter Workshop, Audit oder kleiner Pilot oft der sinnvollste erste Auftrag.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Was genau soll am Ende vorliegen?
  • Was ist bereits vorhanden, was fehlt noch?
  • Welche Deadline ist echt und welche eher Wunsch?
  • Wer gibt Feedback und trifft die Entscheidung?
  • Woran wird am Ende gemessen, ob die Arbeit gut war?

Angebot & Preis

Begrenze den ersten Auftrag so, dass beide Seiten ihn prüfen können.

Ein Pilotprojekt oder kleines Paket senkt das Risiko und schafft eine echte Grundlage für weitere Zusammenarbeit.

Ein brauchbares Angebot nennt Ergebnis, Umfang, Mitwirkung des Kunden, Zeitfenster, Korrekturschleifen und Preis. Ergänze auch, welche Leistungen nicht enthalten sind. So weiß der Auftraggeber, worüber er entscheidet, und du hast eine Grundlage für spätere Änderungswünsche.

Für den Einstieg eignen sich häufig Pilotprojekte oder begrenzte Pakete: eine Landingpage statt des gesamten Webauftritts, eine Newsletter-Ausgabe statt eines Jahresvertrags, ein Recherchepaket statt einer offenen Assistenz. Nach der Lieferung können beide Seiten Aufwand, Zusammenarbeit und Qualität bewerten.

Ein sehr niedriger Preis ersetzt kein Vertrauen. Kalkuliere den erwarteten Aufwand einschließlich Abstimmung und Korrekturen, prüfe den errechneten Stundenwert und benenne den Preis ohne Entschuldigung. Falls das Budget nicht passt, verkleinere den Umfang, anstatt dieselbe Arbeit beliebig billiger anzubieten.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Ergebnis und Umfang benennen
  • Zuarbeit und Ausschlüsse schriftlich festhalten
  • Zeitfenster und Korrekturschleifen vereinbaren
  • Preis erst nach der Umfangsklärung nennen

Wiederholung

Eine kleine Wochenroutine verhindert Akquise im Krisenmodus.

Wer nur in auftragsfreien Wochen sucht, startet jedes Mal unter Zeit- und Preisdruck.

Plane auch während laufender Projekte ein kleines Akquisefenster. Zwei bis fünf sorgfältig ausgewählte Kontakte pro Woche, ein Termin für Follow-ups und eine gepflegte Liste offener Gespräche reichen für den Anfang. Der Umfang muss so klein sein, dass du ihn auch in vollen Wochen halten kannst.

Eine einfache Tabelle genügt: Kontakt, Anlass, angebotene Leistung, Datum, Antwort, nächster Termin und Ergebnis. Nach vier Wochen siehst du, welcher Kanal Rückmeldungen bringt, welche Formulierung zu Gesprächen führt und welche Anfragen unverhältnismäßig viel Zeit kosten.

Lege für Follow-ups eine Regel fest, zum Beispiel eine freundliche Nachfrage nach fünf bis sieben Werktagen. Ohne Antwort beendest du den Vorgang vorerst. Damit bleibt die Akquise präsent, ohne deinen gesamten Arbeitsalltag zu besetzen.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • ein fester Slot für neue Kontakte oder Bewerbungen
  • ein Slot für Follow-ups
  • ein Slot für Profil- und Portfolio-Pflege
  • eine kurze Auswertung: Welche Anfragen führten zu Antworten und Gesprächen?

Warnsignale

Diese Warnsignale zeigen, wo deine Akquise gerade hakt.

Wenig Rücklauf hat mehrere mögliche Ursachen. Ordne zuerst die Reibung ein, bevor du den nächsten Kanal eröffnest.

Bleiben Antworten aus, prüfe zuerst Angebot und Empfängerauswahl. Verstehen Außenstehende deine Leistung? Haben die angesprochenen Personen einen erkennbaren Bedarf? Zeigt dein Beleg dieselbe Art von Aufgabe? Erst danach bewertest du Betreff, Text und Kanal.

Viele Einzelversuche verhindern eine Lernkurve. Wenn jedes Angebot anders lautet, jede Woche ein neuer Kanal beginnt und du Rückmeldungen nicht festhältst, lässt sich kaum erkennen, was funktioniert. Arbeite für einige Wochen mit derselben Grundstruktur und verändere jeweils nur einen Baustein.

Der Prozess bleibt unspektakulär: Angebot formulieren, Beleg zeigen, passende Menschen auswählen, individuell ansprechen, nachfassen und aus Reaktionen lernen. Genau diese Wiederholung macht Kundengewinnung mit der Zeit planbarer.

Worauf es in diesem Abschnitt ankommt

  • Niemand versteht in einem Satz, was du anbietest
  • Arbeitsproben passen nicht zur angesprochenen Aufgabe
  • Du wechselst den Kanal, bevor genügend Daten vorliegen
  • Mehrere Empfänger erhalten nahezu denselben Text
  • Antworten und Follow-ups werden nirgends festgehalten

Abschluss

Dein nächster Schritt: fünf passende Kontakte auswählen

Formuliere heute dein kleines Einstiegsangebot und wähle anschließend fünf Menschen oder Ausschreibungen mit erkennbarem Bedarf. Schreibe jede Anfrage einzeln, notiere das Datum und plane einen Follow-up-Termin. Mehr brauchst du für die erste Arbeitswoche nicht.